 ... hat das was mit mir zu tun ?? Du befindest dich an einer Hochschule, studierst mehr oder minder, wirst von deinen Eltern oder vom Staat unterstützt, hast eine Wohnung, meistens einen Platz im Hörsaal, genug zu Essen und zu Schreiben und wahrscheinlich sogar einen Laptop mit Internetzugang. Die HochschullehrerInnen (oder auch ProfessorenInnen) sind recht nett, du hast ein paar Praktika mitgemacht, warst auf Exkursion und wirst so zirka im sechsten oder siebten Semester einen Bachelorabschluss in der Hand halten. Was soll daran denn schlimm sein? Streik klingt nach Gewerkschaft und Lohnforderung ... und nach einer Menge Ärger. Streiken tun nur unzufriedene Menschen. Und du bist ja eigentlich zufrieden. Oder? Zehn Jahre nach der Entscheidung für Bologna – dem Versuch ein einheitliches europäisches Hochschulwesen zu etablieren – wird in diesem Jahr Bilanz gezogen. Es wird viel Kritik geübt. Viele Menschen sind unzufrieden. Lehrende, Studierende und sogar die Leute in der freien Wirtschaft. Wieso? Wollte man leicht verständliche, übersichtliche Systeme mit geringen Mobilitätshemmnissen schaffen, die sich durch eine gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Untergliederungen und eine hohe Qualität der Arbeit in Lehre und Forschung auszeichnen und das unter studentischer Beteiligung in den Entscheidungsprozessen auf allen Ebenen und einem Ansatz zur Förderung lebenslangem Lernens? Und ist alles, was man hinbekommen hat, ist die Einführung von unausgereiften Bachelor- und Masterstudiengängen, die Kürzung der Regelstudienzeit, die Verdampfung von vielen Fächern in wenige Module, die Einführung von festen Stundenpläne, einer zunehmenden Anwesenheitspflicht, von Zugangsbarrieren wie Gebühren und Leistungsniveaus und damit eine eklatante Einschränkung der Wahlmöglichkeiten und Wahlfreiheiten der Studierenden? Wusste man, dass man eine zunehmende soziale Selektion, eine Entdemokratisierung der Hochschulen, einen immensen Zeit- und Leistungsdruck und eine Qualitätsminderung erwirkte? Wollte man vielleicht sogar gezielt den Einfluss von privaten Unternehmen der Wirtschaft auf die Lehr- und Forschungsinhalte erhöhen? Handelte es sich bei Bologna um edle Ziele und eine miserable Durchführung? Oder ist die Elitenbildung und die Privatisierung Programm? Fakt ist, die Studierenden von heute sind teil überfordert, teils unterfordert und in beiden Fällen gestresst. Fakt ist auch, die Studierenden von heute beteiligen sich viel zurückhaltender an Aktionen, seien sie politischer, kultureller oder sportlicher Natur. Das muss ein Ende haben! Das Studium ist eine der kreativsten Phasen deines Lebens! Deine Bildung ist ein wichtiger Baustein darin, aber sie findet nicht allein im Hörsaal statt! Der Bildungsstreik soll der Auseinandersetzung mit dem Thema Bildung dienen. Er soll kein sturer Streik sein, an dem man zu Hause bleibt, sondern er soll ein Forum bieten, für Diskussion und Auseinandersetzung, für das Aufzeigen von Alternativen zum bestehenden System und für einen Anschub in die richtige Richtung. Deshalb müssen die Leute daran teilnehmen, denen Bildung wichtig ist! Diese Woche kann einen Unterschied machen, wenn du nicht wie sonst im Hörsaal abhängst! Also beteilige dich am konstruktiven Streik, gehe zu den vielfältigen Veranstaltungen, sag deinen MitbewohnerInnen Bescheid, zieh dir ein gelbes T-Shirt an, schreibe einen Leserbrief an deine Tageszeitung, diskutiere mit deinem Prof und verändere dieses System! Das große Ziel der Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln. Herbert Spencer (1820-1903), engl. Philosoph u. Sozialwissenschaftler |